Ein Spaziergang zum Faro de Formentor
Anfang März auf des Deutschen liebster Urlaubsinsel.
Das Wetter wird schon wieder wärmer, es gibt öfters ein paar sonnige Tage, aber für Badeurlaub ist es
noch zu kalt.
Dafür begegnet man schon den ersten Inselfreunden, die sich mit dem Mietauto die Insel ansehen,
die Radsportler sind auch schon da und auch wir haben uns heute spontan für einen längeren Ausflug
zum Cap Formentor entschieden.
Wir wollten herausfinden, wie nah man an das Cap herankommt, denn seit 2018 ist das letzte Stück Weg
bis zum Leuchtturm für PKWs wegen Überfüllung und zu viel Chaos auf den engen Bergpässen gesperrt
und man gelangt nur noch mit einem Shuttlebus dorthin, der die Urlauber ein Stück weiter unten am
letzten großen Parkplatz einsammelt.
Ein Ausflug in die Berge ist an trockenen Tagen in den Wintermonaten am schönsten, weil man da die
Straßen fast ganz für sich hat … es sei denn, es ist ein Feiertag.
Dann tummeln sich selbst an den abgelegensten Grillplätzen die Einheimischen mit der ganzen Familie.
Wir starteten von Capdepera aus und gingen bei dem Wetter ein bißchen auf Risiko, denn zwischen Artà
und Can Picafort fuhr doch noch eine ziemlich dunkle Wolke mit, die sich zwischendurch ein wenig
abregnete.
Aber bis zum östlichsten Ende der Insel war es noch ein Stück und bald drehte zum Glück der Wind und
die dunklen Wolken änderten ihren Kurs in Richtung Palma.
Wir ließen Port de Pollenca mit seiner langen Bucht, in der sich im Sommer die Kitesurfer tummeln,
hinter uns und schraubten uns die Bergstraße hinauf.
Es war nicht viel Verkehr und nur manchmal musste man eine Gruppe Radsportler oder vereinzelte
Radfahrer überholen, die sich verbissen die Steigungen hinauf kämpften.
Wir fuhren zügig am großen Aussichtspunkt „Mirador Es Colomer“ vorbei.
Hier wollten wir erst auf dem Rückweg anhalten.
Außerdem war kein Parkplatz mehr frei.
Dieser Platz bietet zu vielen Seiten eine grandiose Aussicht und hier tummelten sich auch heute
die Ausflügler.
Also schlängelten wir uns zielstrebig an den eng geparkten Autos vorbei und strebten weiter in
Richtung Leuchtturm, der auf dem östlichen Ende und gleichzeitig auf dem nördlichsten Punkt der
Baleareninsel 167 Meter über dem Meeresspiegel thront.
An dem Parkplatz (Parking Far de Formentor), an dem man im Sommer seinen Wagen stehen lassen muss,
mogelten wir uns an der ersten, einseitigen Sperre vorbei.
Am Parkplatz standen kaum Autos, das Kassenhäuschen war nicht besetzt und es kamen in regelmäßigen
Abständen Autos den Berg wieder hinunter.
Wenn die das durften, dann wir auch … wo kein Kläger, da kein Richter.
Der Weg führte noch ein Stück durch ein kleines Wäldchen und dann begann der Abschnitt mit den
schönen Aussichten, die man im Auto so selten genießen kann, wenn man von hinten gescheucht wird;
und es gibt auf der engen Straße so selten Gelegenheit mal rechts ran zu fahren.
Die wenigen, vereinzelten Parkbuchten sind garantiert schon belegt.
So war es auch heute.
Aber da allgemein wenig Verkehr war, konnte man es wagen, ab und zu mal stehen zu bleiben,
das Bergpanorama länger als ein paar Sekunden zu genießen und ein Foto zu schießen.
Dann gelangten wir an den Aussichtspunkt „Mirador al Far de Formentor“ oberhalb der Cova de la Sirena,
an dem einen der Leuchtturm schemenhaft aus der Ferne zu winkt.
Bis zu ihm ist es noch ein ganz schönes Stück.
Es gibt nur wenige Parkmöglichkeiten und hier war dann auch die Straße ein zweites Mal gesperrt.
An dieser Absperrung trauten wir uns mit dem Wagen dann doch nicht vorbei.
Die sah irgendwie aus, als würde sie es Ernst meinen.
Außerdem war die komplette letzte Kurve vor der Absperrung einseitig zu geparkt und weit und breit
kaum ein Mensch zu sehen.
Von hier aus machte man sich also zu Fuß auf den Weg.
So wollten wir auch tun, ohne so genau zu wissen, was wir uns da vorgenommen hatten,
denn bis zum Turm waren es noch 4,7 Kilometer und die Stunde, die man brauchte, um da hin zu kommen,
musste man ja auch wieder zurück spazieren.
Aber es war ein so schöner Tag, wir schulterten unsere Kameras und machten uns frohen Mutes auf den
Weg.
Man konnte ja gefahrlos die asphaltierte Straße entlang wandern, ohne kraxeln zu müssen und wenn man
nicht dauernd aufpassen muss, wo man lang läuft, hat man auch endlich ein Auge für die schöne Gegend
um einen herum.
Und wie sich das gelohnt hat!
Im Spaziertempo entdeckt man plötzlich Motive, die man in einem fahrenden Auto nicht mal ansatzweise
bemerkt hätte.
Zwischen den zum Teil uralten Pinien, die auf den steilen, felsigen Hängen Wurzeln geschlagen haben,
formen viele bereits tote und abgestorbene Äste und Reste knorriger Bäume bizarre Gebilde.
Das Licht malt auf den hellen Felsen bunte Bilder und unvermittelt grinsen einen versteinerte
„Felskobolde“ freundlich entgegen.
Auf den mit Gras bewachsenen Hängen und in den Tälern tummeln sich ungestört wilde Ziegen und hinter
jeder Kurve hält der Weg einen weiteren unerwarteten, spektakulären Blick auf das Meer und die
Buchten bereit.
Der Weg ist kaum anstrengend und nach zwei Jahren Corona-bedingter Einschränkungen hat dieser etwas
längere Spaziergang so richtig gut getan.
So ganz unbedarft und sorglos durfte man sich allerdings auf der Straße dann doch nicht bewegen.
Der ein oder andere Autofahrer ließ sich nämlich nicht von der Absperrung abschrecken und auch den
Radfahrern musste man Platz machen, wenn man sie denn frühzeitig bemerkt hatte.
Irgendwie haben die Fahrräder von heute alle keine Klingel...
Nach einem guten Stündchen hatten wir endlich die letzte Anhöhe erreicht, von der aus uns der
berühmte Leuchtturm in voller Pracht zu Füßen lag.
Sogar bis nach Menorca konnten wir von dieser Stelle aus sehen und bei klarer Sicht leuchteten uns
die weißen Strände der Schwesterinsel entgegen.
Jetzt schlängelt sich die Straße noch ein kurzes Stück bis zum Leuchtturm hinunter.
Für die paar Autofahrer, die lieber nicht zu Fuß gehen wollten, war allerdings kurz vor dem Turm an
einem geschlossenen Tor der Weg dann auch zu Ende und das letzte Stück Weg bis zum Turm mussten dann
auch die fußkranken Römer per pedes bewältigen.
Das Restaurant, das der Faro beherbergt, ist in den Wintermonaten geschlossen, genauso wie das letzte
Tor und man gelangt mit dem Auto nicht bis ganz hinauf auf den Parkplatz und die Autofahrer sind
gezwungen, auf der engen Straße zu wenden, wenn sie wieder zurück wollen.
Das sollte allerdings nicht unsere Sorge sein. Wir kletterten auf den Felsen umher und suchten nach
der besten Aussicht für das schönste Foto, bis es uns dann doch langsam zu kalt wurde.
Die Zeit war unbemerkt schon weit fortgeschritten, es wurde langsam dunkler und die Halbinsel,
auf der der Leuchtturm steht, trägt nicht umsonst den Beinamen „Treffpunkt der Winde“.
Wir spazierten also wieder zurück und erfreuten uns auf dem Rückweg des Panoramas aus der
entgegengesetzten Perspektive.
Wieder zurück im Auto machten wir uns gut gelaunt und kein bisschen erschöpft von dem ungewohnt
langen Fußmarsch auf den Rückweg und ergatterten noch einen der wenigen freien Parkplätze am großen
Aussichtspunkt.
Ein ereignisreicher Tag neigte sich dem Ende zu, die Sonne ging bereits langsam aber spektakulär
unter und tauchte die Umgebung in ein fabelhaftes Licht, dass es noch hurtig mit der guten Kamera
einzufangen galt.
Das ist das Schöne hier auf unserer Insel des Lichts:
der Himmel und das Meer sehen jeden Tag anders aus.
Text: Nadja von der Hocht
Fotos: Wolfgang von der Hocht